After Future | Performance Projekt

After Future 1800 - KOLLAKTIV

Physical Theatre  | Performance Projekt

AFTER FUTURE

September + Oktober 2019  |  Berlin

 

>> English version

Das Performance Projekt AFTER FUTURE findet 2 Monate lang im Rahmen des regulären Physical Theatre Kurses statt. Mittels Devised-Theatre, entwickeln wir gemeinsam eine vielstimmige und möglicherweise fragmentarische Performance, die mit der Idee spielt, die Zukunft in die Gegenwart zu rücken.

Wir leben in einer Welt, in der alle Zukunftsszenarien längst erfüllt sind. Architekturen, Infrastrukturen, Medien und Technologien haben uns längst im Griff. Wir bewohnen eine futuristischen Welt, in der alles möglich scheint. Alle Wünsche gehen in Erfüllung – es ist nur eine Frage der Zeit … der knappen Zeit. Wissen ist zugänglich. Alle Probleme lassen sich im Orakel des App-Store beheben. Aktionen, Kampagnen, Fotos oder Katzen können wir “liken” (ist das nicht demokratisch?). Für jede Sprache gibt es eine Übersetzung. Wir leben in einer benutzerfreundlichen Simulation mit vielen Must-Haves.

In den 80ern gab es KEINE ZUKUNFT
In den 90ern kam DAS ENDE DER GESCHICHTE
In den 00ern war EINE ANDERE WELT noch MÖGLICH
Am Ende der 2010er müssen wir zugeben THERE IS NO PLANET B

Doch wer simuliert hier? Wer repräsentiert? Wer imitiert? Wer ist User?
Im medialen Zeitalter ist Realität zum unfassbaren Phänomen geworden. Sie ist durch eine Zukunft ersetzt worden, in der du nicht mal da bist. Eine designte Zukunft. Und wer steuert sie? Das orangene Ding im White House? Die Sterne auf der indigo-blauen Flagge? Die Konzerne? Die Finanzmärkte? Die von Cambridge Analytica geformte Wählerschaft?
Wem gehört die Gegenwart?

Du sagst: Die Zukunft in der Autos fliegen können ist nicht mehr fern.
Ich sage: Also was? Wir werden uns das sowieso nicht leisten können.

Im Nachhinein werden wir alles verstehen und uns wundern … War die Zukunft gestern?

 


• Dieses Performance Projekt ist offen und geeignet für alle Interessierten – mit und ohne Vorkenntnisse
• Es erfordert eine regelmäßige Teilnahme während des gesamten Zeitraums und die Bereitschaft zum intensiven physischen Arbeiten
• Nur mit Anmeldung


DAUER
September + Oktober 2019

ZEIT & ORT
Dienstags, 20 – 22 Uhr   |   Urbanraum
Fridays, 19 – 21:30 Uhr   |   Studio58

KOSTEN  €200 / €170 Ermäßigung
SPRACHE  Englisch und Deutsch
LEVEL  Offen für alle

INFO & ANMELDUNG
pt.collactive (at) gmail.com


 

Einige Worte zu dem Bild

Das Bild für dieses Projekt ist ein Mashup aus Der Wanderer über dem Nebelmeer (1818) Gemälde von Caspar David Friedrich + den Minimal-House Track The Sky Was Pink (2004) von Nathan Fake (remixed von James Holden) + das Bild Angelus Novus (1929) von Paul Klee – interpretiert von Walter Benjamin.
Foto und Bild von  mapp . graphics ©

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Der Wanderer über dem Nebelmeer (1818) – Caspar David Friedrich
Der Wanderer galt lange Zeit als Zeichen der Moderne und ihres Erscheinens. In Zeiten des technologischen und industriellen Umbruchs beschreibt es die Menschheit und die Natur auf gleicher Ebene, von Angesicht zu Angesicht … oder vielmehr zu ihren Füßen.

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The Sky Was Pink (2004) – Nathan Fake (James Holden remix)
Ein Minimal-House Klassiker. Eine Hymne der 2000er Jahre, die die Tanzflächen der besten Clubs in die Stratosphäre katapultierte.

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Angelus Novus (1920) – Paul Klee  +  The 9th thesis in “Theses on the Philosophy of History” (1940) – Walter Benjamin
Benjamin’s bekanntes Konzept vom Engel der Geschichte ist ein Engel, der rückwärts läuft … in die Zukunft.

„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.”
Walter Benjamin, 1940

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